Quelle: https://www.heimkino-praxis.de/absorber-material/
Kategorie: Raumakustik 13. Mai 2018 (Update 3. Mai 2024)
Author: Bert Kößler

Schallabsorber sind so ziemlich die erste Maßnahme zur Verbesserung der Raumakustik im Heimkino. Auch bei reinen Stereo-Setups oder nur zur Erhöhung der Sprachverständlichkeit in Wohnräumen ist es die bessere Wahl gegenüber herkömmlichen Methoden. Aber welches Absorber-Material ist das richtige für unterschiedliche Absorber?

Nahaufnahme von Steinwolle, einem typischen Absorber-Material
Steinwolle, eines der günstigsten und effizientesten Absorber-Materialien

Die ausschlaggebende Eigenschaft hierfür ist der längenbezogene Strömungswiderstand des absorbierenden Materials, über den du alles in den Grundlagen zu porösen Absorbern auf heimkino-praxis.de nachlesen kannst. Hier gehen wir der Frage nach, welche konkreten Produkte du zu welchem Zweck einsetzen kannst.

Liste der gängigen Absorber-Materialien

Für den Anfang werfen wir einen Blick auf verschiedene Absorber-Materialien, die im Baumarkt und spezialisierten Schaumstoffhandel erhältlich sind. Um eine Auswahl treffen zu können, hilft eine Tabelle unheimlich gut weiter, welche die Materialien, deren längenbezogenen Strömungswiderstand und – auch nicht ganz unwichtig – deren ungefähren Preis gegenüberstellt.

Die folgende Tabelle zeigt die gängigen Materialien, die als poröse Absorber eingesetzt werden.

Hersteller Material Strömungswiderstand kPa·s/m² ca. Preis / m³
Rockwool Termarock 50 ≥ 16 120 €
BASF Basotect ~ 14 560 €
aixFOAM Polyurethanschaum > 10 1100 €
Rockwool Termarock 40 ≥ 10 100 €
Rockwool Termarock 30 ≥ 7 90 €
Rockwool Sonorock 6 35 €
Saint Gobain Isover Akustic TP1 > 5 40 €
Caruso Iso Bond WLG 045 3 290 €
HempFlax Thermo-Hanf ≥ 3 120 €

Der längenbezogene Strömungswiderstand gibt grundsätzlich an, wie viel Energie das Absorber-Material dem Schall beim durchqueren einer bestimmten Strecke entzieht. Je höher der Wert, desto mehr Schallenergie geht verloren.

Übrigens sind viele dieser Materialien eigentlich zur Wärmedämmung gedacht, allen voran Steinwolle. Deshalb erntet man häufig skeptische Blicke, wenn man im Baustoffhandel die akustischen Eigenschaften anspricht. Die Angabe „WLG“ bei einigen Produkten gibt die Wärmeleitfähigkeitsgruppe an, die für uns aber uninteressant ist.
Mit Thermo-Hanf musst du im Übrigen vorsichtig sein. Dieses Naturmaterial riecht möglicherweise unangenehm nach „Stall“ und zerfällt mit der Zeit. Damit ist sein Einsatz im Heimkino eher gewagt, da es somit auch seine akustischen Eigenschaften verändern kann.

Jedes Absorber-Material hat seinen Preis

Der Preis ist deshalb alles andere als egal, weil Absorber nur dann einen hörbaren Unterschied ausmachen, wenn sie in ausreichender Menge zum Einsatz kommen. Natürlich spielt auch die Platzierung eine große Rolle.
Jedoch ist es falsch zu glauben, zwei Akustikbilder mit 1 m² Gesamtfläche würden jetzt einen wahnsinnig großen Unterschied bewirken. Gerade im Heimkino solltest du schon ein gutes Stück Raumvolumen bzw. einige Quadratmeter Decken- und Wandfläche behandeln.
Das benötigte Gesamtvolumen des Materials kann also sehr schnell in die Höhe schießen, insbesondere wenn du Bassfallen bauen willst. Somit ist der Preis alles andere als unerheblich.
Als grobe Daumenregel lässt sich sagen, dass du bei Absorber-Material meistens für „Sauberkeit“ bezahlst. Während günstige Materialien wie Steinwolle häufig viel Dreck produzieren, wenig formstabil sind, sich schlechter verarbeiten lassen oder gar Juckreiz auslösen, sind teurere Materialien in jeder Hinsicht sauberer und angenehmer zu verarbeiten.

Zusammenhang von Strömungswiderstand und Materialstärke

Nun könnte man denken, es wäre doch ganz logisch: je größer der längenbezogene Strömungswiderstand, desto besser. Falsch gedacht!

Materialien mit höherem Strömungswiderstand erreichen das in der Regel durch eine höhere Dichte. Dadurch werden Schallwellen höherer Frequenzen sehr stark absorbiert. Um tiefere Frequenzen zu absorbieren muss der Schall aber sehr tief in das Material eindringen können – was durch einen hohen Strömungswiderstand aber verhindert wird.

Für tiefe Frequenzen wird also Absorber-Material mit einem niedrigeren längenbezogenen Strömungswiderstand benötigt, sonst findet keine nennenswerte Absorption statt. Da tiefe Frequenzen längere Schallwellen haben, muss das Material aber gleichzeitig sehr dick sein. Sonst kann der Schall zwar durch den niedrigen Widerstand eindringen, wird aber kaum vermindert, bis er schon durch den Absorber hindurch ist.

Die verschiedenen Sorten Rockwool Termarock verdeutlichen das sehr schön durch eine weitere Nummer: 30, 40 oder 50 (nicht zu verwechseln mit der WLG). Diese steht für die Dichte des Materials (kg/m³) und zeigt damit, dass ein schwereres, dichteres Absorber-Material einen höheren Strömungswiderstand hat. Es gibt auf gleichem Raum mehr Hindernisse, die die Luft ausbremsen. In die engeren Poren („Zwischenräume“) können aber nur kürzere („kleinere“) Schallwellen eindringen.

Strategien zur Anwendung von Absorber-Material

Das alles führt zu der einfachen Erkenntnis, dass es zwei relativ krasse Gegensätze bei der Absorption gibt:

  • Mit dünnen Absorber-Materialien kann durch einen hohen längenbezogenen Strömungswiderstand viel Schall effizient absorbiert werden, jedoch nur relativ hohe Frequenzen.
  • Mit dicken Absorbern, die aber einen niedrigeren Strömungswiderstand aufweisen, werden auch tiefere Frequenzen absorbiert, aber nicht ganz so stark.

Je nach Strömungswiderstand und Materialstärke gibt es theoretisch beliebig viele Stufen dazwischen. Der Übergang ist fließend. Wofür du dich entscheidest hängt nur davon ab, was du erreichen willst.

Ein nützliches Werkzeug zum Vergleichen der verschiedenen Materialien ist der Porous Absorber Calculator, der dir für mehrere Materialien im Vergleich berechnet, wie tief und wie stark diese den Schall absorbieren würden.

Schmalbandige, starke Absorption an Reflexionspunkten

An den Seitenwänden und der Decke darf man oft nicht allzu viel Platz verschwenden, um den Raum nicht zu stark zu verkleinern. Die Absorber müssen dünn sein.
Hier bieten sich Materialien mit hohem längenbezogenem Strömungswiderstand an. Trotz dem dünnen Wandaufbau kann so noch relativ viel Schall absorbiert werden. Absorber gegen Erstreflexionen sowie Deckensegel sind die klassischen Anwendungsfälle.
Hier sind einige Beispiele für passende Materialien dafür, die bis zu einer Stärke von 10 cm sehr gute Ergebnisse liefern:

Hersteller Material Strömungswiderstand kPa·s/m² ca. Preis / m³
Rockwool Termarock 50 ≥ 16 120 €
BASF Basotect ~ 14 560 €
aixFOAM Polyurethanschaum > 10 1100 €

Tipp: Eine der besten Lösungen am Markt sind aus meiner Sicht hierbei die Produkte der Marke aixFOAM, weil sie (im Vergleich zu Basotect) von Haus aus gut aussehen, stabiler sind und sich in vielfältiger Weise sehr einfach an Wänden und Decke befestigen lassen.
Lass dich dabei nicht vom Preis irritieren – du kaufst davon normalerweise ja keinen ganzen Kubikmeter.

Vergleich verschiedener Stärken von Basotect als Absorber-Material: 2 cm (blau), 3 cm (grün), 5 cm (rot) und 7 cm (gelb). Es zeigt sich deutlich, wie mehr Materialstärke zu einer höheren Wirkung führt.
Vergleich von Absorbern aus Basotect bei einer Materialstärke von 2 cm (blau), 3 cm (grün), 5 cm (rot) und 7 cm (gelb). Es zeigt sich deutlich, wie mehr Materialstärke zu einer höheren Wirkung führt. (Quelle)

Dennoch solltest du es mit all diesen Materialien nicht übertreiben, wenn Musik- und Filmgenuss dein Ziel ist. Ähnlich wie bei dem exzessiven Einsatz von Vorhängen und Teppichen dämpfst du damit hauptsächlich den Hochton. Das führt zu einem dumpfen Klangbild. Sehr gut geeignet sind Absorber mit hohem Strömungswiderstand hingegen, wenn es ausschließlich um die Bekämpfung des allgemeinen Nachhalls geht: um die Verständlichkeit normaler Gespräche zu verbessern und ein gutes Wohnklima zu schaffen.

Breitere aber schwächere Absorption (der Mittelweg)

Für den Anwendungsfall Heimkino und HiFi will man hingegen eine möglichst breitbandige Dämpfung über den gesamten Frequenzbereich hinweg erreichen. Dafür eignen sich unter anderem die folgenden Materialien mit geringerem Strömungswiderstand, in die der Schall tiefer eindringen kann.

Hersteller Material Strömungswiderstand kPa·s/m² ca. Preis / m³
aixFOAM Polyurethanschaum > 10 1100 €
Rockwool Termarock 40 ≥ 10 100 €
Rockwool Termarock 30 ≥ 7 90 €

Die Stärke eines solchen Absorbers sollte mindestens 10 cm betragen. Darunter bringt er im Tiefton nicht mehr viel – im Mittel- und Hochton durch die geringere Dichte aber ebenfalls weniger.

Vergleich von Termarock 40 als Absorber-Material bei einer Stärke von 10 cm (blau) und 5 cm (grün). Mehr Materialstärke ist dabei deutlich besser.
Vergleich von Absorbern aus Termarock 40 bei einer Materialstärke von 10 cm (blau) und 5 cm (grün). Mehr Materialstärke ist dabei deutlich besser. (Quelle)

Dieser Weg ist besonders dann ratsam, wenn wirklich weite Teile des Raums mit Absorbern versehen werden können. Da sie weniger stark absorbieren, gleichst du das durch mehr Fläche aus. Der Gewinn ist eine gleichmäßiger über alle Frequenzen verteilte Reduktion des Nachhalls. Das sollte stets das oberste Ziel im Heimkino sein!

Breitbandige, schwache Absorption für Bassfallen

Der dritte Anwendungsfall sind sogenannte Kantenabsorber – gemeinhin eher Bassfallen oder „Bass Traps“ genannt. Sie stehen in den Raumecken, wo der Bass am stärksten aufgedickt wird und sich deshalb am effizientesten absorbieren lässt. Und nebenbei sind sie dort nicht im Weg.

Kantenabsorber haben die Chance, deutlich dicker zu sein als andere Maßnahmen, eben weil sie in den Raumecken nicht im Weg sind. Wir sprechen hier von mindestens 30×30 cm Grundfläche, möglichst über die gesamte Raumhöhe. Besser sind mindestens 40×40 cm oder gleich 50×50 cm Grundfläche. Je mehr, desto besser. Je nach Strömungswiderstand des Materials gibt es aber gewisse Grenzen, ab denen mehr Volumen keine weitere Wirkung bringt.

Basotect ist als Absorber-Material nicht für jeden Fall geeignet. Kantenabsorber aus Basotect mit einer Seitenlänge von 42 cm

Viele kommerzielle Produkte sind an der typischen dreieckigen Grundfläche zu erkennen. Die rechtwinklige Spitze des Dreiecks zeigt in den Raum hinein, nicht etwa in die Ecke. Dadurch wird in erster Linie 50% Absorber-Material gespart, wohingegen die Wirkung nicht annähernd so viel schlechter wird, weil sich so ein Wandabstand ergibt, der die Wirkung verstärkt. Dazu gleich mehr.

Diverse Produkte haben Einkerbungen und ihre Grundform entspricht eher einem Viertelkreis. Das hat ausschließlich optische Gründe und unterstützt die Argumentation gegenüber der Partnerin für den Einsatz im Wohnzimmer. Viel mehr haben viele kommerzielle Produkte zwei wesentliche Probleme:

  • Die Grundfläche beträgt oft nur gerade mal 20×20 cm. Dadurch bieten sie kaum Angriffsfläche, um sonderlich viel auszurichten, und können aufgrund der geringen Materialstärke gar nicht erst im Tiefton wirken.
  • Das Absorber-Material ist meistens Basotect oder diesem sehr ähnlich und weist somit einen hohen längenbezogenen Strömungswiderstand auf. Die tiefen Frequenzen, die man in den Ecken eigentlich bekämpfen will, können nicht mehr tief in das Material eindringen und werden somit auch nicht absorbiert.

Deshalb sind Bassfallen von der Stange oft bestenfalls im Mittelton ab ca. 500 Hz einigermaßen wirksam, darunter kaum noch. Die Wirksamkeit lässt sich ganz einfach durch das richtige Absorber-Material erhöhen – ja sogar extrem verstärken:

Hersteller Material Strömungswiderstand kPa·s/m² ca. Preis / m³
Rockwool Sonorock 6 35 €
Saint Gobain Isover Akustic TP1 > 5 40 €
Caruso Iso Bond WLG 045 3 290 €
HempFlax Thermo-Hanf ≥ 3 120 €

Die Grundfläche kann dabei ruhig quadratisch sein. Mindestens 40×40 cm sind angesagt, um ausreichend tief zu absorbieren. Ein Absorber aus Rockwool Sonorock mit 50×50 cm Grundfläche bzw. 50 cm Stärke kann so ab ca. 60 Hz langsam wirksam werden.

Vergleich von Absorbern aus Basotect (blau) und Rockwool Sonorock (grün) bei einer Materialstärke von 40 cm. Die Steinwolle kommt dabei deutlich besser weg.
Vergleich von Absorbern aus Basotect (blau) und Rockwool Sonorock (grün) bei einer Materialstärke von 40 cm. Die Steinwolle kommt dabei deutlich besser weg. (Quelle)

Nicht zuletzt zählt auch hier wieder die gesamte Fläche, weshalb immer wieder Heimkinos anzutreffen sind, in denen die gesamte Rückwand und/oder die Front mit 40 bis 50 cm Steinwolle zugestellt ist. Wichtig ist dabei, durch genügend Zwischenböden dafür zu sorgen, dass die Steinwolle locker liegt und sich nicht zusammen drückt. Sonst erhöht sich die Dichte wieder und die tiefsten Frequenzen werden nicht mehr so stark absorbiert.

Absorber-Material vs. Wandabstand

Zuletzt gibt es noch einen ganz einfachen Trick, um Absorber jeder Art zu verstärken. Die tiefste Frequenz, bei der sie noch wirken, wird noch ein Stück gesenkt, wenn sie mit etwas Abstand zur Wand platziert werden. Der Wandabstand kann dabei bis zur Hälfte der Materialstärke betragen.
Eine 5 cm starke Basotect-Platte mit 2,5 cm Wandabstand (blaue Linie im Diagramm) wirkt so zum Beispiel fast genauso tief wie eine 7,5 cm starke Platte ohne Wandabstand (grüne Linie).

Vergleich von Basotect in 5 cm Stärke mit 2,5 cm Wandabstand (blau) und Basotect in 7,5 cm Stärke ohne Wandabstand – mit nahezu identischem Ergebnis.
Vergleich von Basotect in 5 cm Stärke mit 2,5 cm Wandabstand (blau) und Basotect in 7,5 cm Stärke ohne Wandabstand – mit nahezu identischem Ergebnis. (Quelle)

Diesen sehr wichtigen Effekt kannst du auf zwei unterschiedliche Arten gewinnbringend für dich nutzen:

  • Um bis zu ⅓ der benötigten Menge Absorber-Material und damit nicht ganz unerhebliche Kosten zu sparen – bei gleichbleibender Wirkung.
  • Um die Wirksamkeit vorhandener Absorber nochmal deutlich zu steigern.

Vergleich von Basotect in 5 cm Stärke mit 2,5 cm Wandabstand (blau) und ohne Wandabstand (grün). Mit Wandabstand kommt das Material deutlich besser weg. Vergleich von Basotect in 5 cm Stärke mit 2,5 cm Wandabstand (blau) und ohne Wandabstand (grün). Mit Wandabstand kommt das Material deutlich besser weg. (Quelle)

Zudem ist Wandabstand eine gute Idee, um die Luftzirkulation zu gewährleisten und so Schimmelbildung zu vermeiden. Das ist besonders bei Außenwänden wichtig und nochmal ganz besonders in Kellerräumen.

Kurz zusammengefasst

  • Der längenbezogene Strömungswiderstand eines porösen Absorbers gibt an, wie viel Energie er dem Schall entziehen kann.
  • Höhere Werte absorbieren stark, jedoch nur im oberen Frequenzbereich. Niedrigere Werte absorbieren schwächer, dafür aber auch tiefere Frequenzen.
  • Hohe Frequenzen zu absorbieren ist leicht, führt aber zu einer einseitigen Bedämpfung des Raums und damit zu dumpfem Klang.
  • Je tiefer die gewünschten Frequenzen, die absorbiert werden sollen, desto dicker muss ein Absorber-Material mit niedrigem Strömungswiderstand locker aufgestapelt werden.
  • Sind Möglichkeiten oder Platz eingeschränkt und soll mit möglichst wenig Fläche ein möglichst großer, hörbare Effekt erzielt werden, sind Absorber mit hohem Strömungswiderstand bis zu 10 cm Stärke ratsam.
  • Absorber können bis zur Hälfte ihrer Materialstärke an Wandabstand einhalten, um ihren Effekt zu verstärken.